Berichte/Presse: Salzach-Gymnasium Maulbronn

Berichte/Presse: Salzach-Gymnasium Maulbronn

Seitenbereiche

Sie verwendeten einen veralteten Browser. Bitte führen Sie für ein besseres Surf-Erlebnis ein Upgrade aus.
JavaScript scheint momentan in Ihren Browsereinstellungen deaktiviert zu sein.
Bitte nehmen Sie eine Änderung dieser Einstellung vor und laden Sie die Webseite neu, um deren volle Funktionalität zu ermöglichen.
Herbst: Altbau, Pausenhof
Berichte/Presse

Hauptbereich

Gänsehaut im Schein der Gaslaterne

Autor: SGMaulbronn
Artikel vom 23.06.2026

Mit dem Schlusssatz des bodenständigen und pragmatischen Anwalts John Utterson: „Ich habe Angst. Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben wirkliche Angst.“, wird spürbar, dass es der Theater AG des Salzach- Gymnasiums meisterhaft gelang, die beängstigende Aktualität einer viktorianischen Schauergeschichte ins Maulbronn des 21.  Jahrhunderts hinüberzutransportieren.
Das Stück, basierend auf der weltberühmten Novelle von Robert Louis Stevenson aus dem Jahr 1886, erzählt die düstere Geschichte des angesehenen Londoner Arztes Dr. Henry Jekyll. Getrieben von der wissenschaftlichen Neugier, das Gute vom Bösen im Menschen zu trennen, entwickelt er ein geheimnisvolles Elixier. Doch das komplexe psychologische Experiment gerät außer Kontrolle: Jekyll verwandelt sich regelmäßig in den skrupellosen, bösartigen Mr. Hyde, der nachts die Straßen Londons terrorisiert.
Die Inszenierung von Jekyll and Hyde vor dreimal ausverkauftem Haus begeisterte die Zuschauer. Der langanhaltende Applaus und die stehenden Ovationen am Ende des Stücks machten deutlich: Die monatelange, harte Probenarbeit hat sich mehr als gelohnt. Die Regie unter Nora Reuß und dem Neuzugang Silke Roth wagte ein spannendes Experiment: Statt der klassischen Doppelrolle wurde die Zerrissenheit der menschlichen Psyche auf zwei Darstellerinnen aufgeteilt. Was diese Aufführung zu einem gelungenen Theatererlebnis machte, war die schlichtweg grandiose und perfekt aufeinander abgestimmte Leistung aller Schauspielenden, darunter in den Hauptrollen Jule Hopff als Dr. Jekyll und Ronja Petri als Mr Hyde.
Jule Hopff spielte den inneren Konflikt des Wissenschaftlers mit einer feinen, tief gehenden Intensität. Dem Publikum wurde hautnah spürbar, wie sich Jekylls anfänglicher Forscherdrang schrittweise in pure Verzweiflung wandelte, als ihm die Kontrolle über das eigene Experiment entglitt. 
Als das bösartige Alter Ego Mr. Hyde füllte Ronja Petri ihre Rolle mit der stetig wachsenden Anziehungskraft des schillernden Bösen aus. 
Auch das restliche Ensemble überzeugte auf ganzer Linie. Die weiteren Hauptakteure, darunter Jekylls besorgter Anwalt Utterson, gespielt von Jerry Sieber oder der befreundete Arzt Dr. Hastie Lanyon, verkörpert von Luisa Bäßler, der durch den Anblick des Monsters in den Wahnsinn getrieben wird, überzeugten mit nuanciertem Spiel und absoluter Textsicherheit und verliehen der Handlung die nötige psychologisch-dramatische Tiefe.
Im Londoner Nebel wurden des Weiteren auch die gesanglichen Beiträge unseres Unterstufenchors und die hitzigen Proteste der Suffragetten bejubelt.
Unter dem kritischen Blick des Porträts von Königin Viktoria tummelten sich abwechselnd zart-errötende junge Damen, um einen Blick von Dr. Jekyll zu erhaschen und leichte Mädchen unter der Gaslaterne, die zum Opfer des transformierten Hyde wurden. Vervollständigt wurde das Schauspiel durch geschickt eingesetzte Licht- und Soundeffekte, inklusive Londoner Nebel - der Förderverein des SGM und die professionelle Arbeit der Technik-AG machten es möglich.  
Diese Inszenierung hat eindrucksvoll bewiesen, wie zeitlos der Konflikt um die zwei Seiten der menschlichen Seele ist und dass die Frage Uttersons, nach dem tragischen Selbstmord Jekylls: „Ist das erst der Anfang?“, aktueller als je zuvor scheint.